Konzert in der JVA Bochum am 10.01.2010

Zum mit Sicherheit ungewöhnlichsten Konzert der Bandgeschichte trafen wir uns am frühen Mittag am Proberaum, um nahezu unser gesamtes Hab und Gut in mehrere Autos zu verladen. Auf den geplanten Anhänger unserer Allzweckwaffe Tommy mussten wir leider verzichten, da die winterliche Witterung eine Autofahrt mit Anhänger mit Sicherheit zu einer lustigen Rutschpartie hätte werden lassen. Und so machten wir uns auf den Weg nach Bochum. Auf unsere zweite Allzweckwaffe Sven mussten wir "krankheitsbedingt" leider verzichten. Er hatte noch bis in die frühen Morgenstunden versucht, durch die massenhafte Einnahme von Flüssigmedizin wieder gesund zu werden. Doch leider vergebens.... Saihttam (Name von der Redaktion geändert) hatte Sven solidarisch zur Seite gestanden und prophylaktisch ebenfalls einige Liter dieser Medizin zu sich genommen. Aber im Gegensatz zu Sven schwächelte er nicht und hatte sich bedingungslosen Einsatz auf seine Fahne geschrieben. Und so musste Marco den größten Teil der Strecke mit halb geöffnetem Fenster fahren, um seine eigene Fahrtüchtigkeit nicht zu gefährden.....

Auf der Fahrt erwiesen wir uns einmal mehr als hervorragende Kolonnefahrer, so dass uns Christian, der als einziger ohne Navi unterwegs war, wenige Meter vor der Autobahnausfahrt in Bochum wieder eingeholt hatte und so ebenfalls problemlos das Ziel erreichen konnte. Vor der JVA wartete schon Tommy auf uns, der uns mal wieder am Mischpult unterstützen wollte. Nachdem wir unsere Ausweise abgegeben hatten, durften wir in die Eingangsschleuse der JVA Bochum fahren. Mit unseren vier Autos füllten wir diese komplett aus. Nachdem wir auch noch unsere Mobiltelefone abgegeben hatten, öffnete sich das zweite Tor und die meisten von uns betraten/befuhren zum ersten Mal in ihrem Leben ein Gefängnis. Ein Mitarbeiter der JVA wies uns den Weg über den Innenhof und durch ein weiteres Tor. Vor einem der Hafthäuser durften wir die Autos abstellen. Dort warteten schon Herr Fregonese, der Freitzeitkoordinator der JVA, und zwei Inhaftierte, die uns beim Ausladen helfen sollten. Mit Hilfe der beiden konnten wir unser umfangreiches Equipment in kurzer Zeit ins Innere des Gebäudes räumen, um es anschließend per Aufzug in die zweite Etage zu befördern. Hier befand sich die ehemalige Turnhalle, die inzwischen als Kapelle genutzt wird und in der wir heute spielen sollten.

Jetzt machten wir uns an den Aufbau. Zu unserer Stärkung war ein kleines aber feines After-X-Mas-Buffet mit Lebkuchen, Spekulatius und Christstollen aufgebaut worden. Der kurze und knackige Soundcheck offenbarte die Tücken des mit extrem hohen Decken ausgestatteten Raumes. Ville musste sogar auf seine wesentlich leiseren Unplugged-Stöcke zurückgreifen, um die Gehörgänge der Inhaftierten nicht dauerhaft zu schädigen. In gewohnt routinierter Weise brachte Tommy jedoch auch diesen Raum soundtechnisch unter Kontrolle. Nach dem Soundcheck ließen sich unsere Raucher von einem Mitarbeiter der JVA noch mal in den Hof führen, um mit der einen oder anderen Schachtel Zigaretten die Nervosität zu bekämpfen. Porno setzte dabei außerdem auf die beruhigende Wirkung von chinesischen Liebeskugeln.... Gegen 16 Uhr füllte sich der Raum, denn die Gefangenen der einzelnen Stationen wurden nach und nach hereingeführt. Nachdem wir von Herrn Schwichtenberg vom Verein "Kultur hinter Mauern" angesagt worden waren, legten wir mit dem ersten Song los.

 Natürlich waren wir zu Beginn noch etwas nervös, da die Location und die Zuhörer für uns ja nicht gerade alltäglich waren. Allerdings lockerte sich die Stimmung von Minute zu Minute, und unsere Zuhörer trugen durch freundlichen Applaus gehörig dazu bei. Besonders Porno und seine Performance fanden großen Anklang, so dass wir überlegt hatten, ihn als kleines Gastgeschenk in der JVA zu lassen. Während des Konzertes fielen uns immer wieder Textpassagen auf, von denen wir uns vorher nicht sicher waren, wie sie in einem Gefängnis ankommen würden (z. B. "Ich will nur feiern und mich frei fühlen...."). Auf unseren Song "Frei" hatten wir vollkommen verzichtet, weil er uns doch zu zynisch vorkam. Doch die Sorgen waren unbegründet, da alle Songs begeistern aufgenommen wurden. Nach ca. einer Stunde waren wir mit unserem Programm durch, wurden jedoch nicht ohne zwei Zugaben von der (nicht vorhandenen) Bühne gelassen. Zum Abschluss bedankte sich der Gefangenensprecher noch bei uns ("Jungs, Ihr müsst gut gewesen sein. Wenn Ihr schlecht gewesen wäret, würdet Ihr jetzt da oben hängen"), bevor die Gefangenen wieder aus dem Raum geführt wurden.

Nach der einen oder anderen Entspannungszigarette setzten wir uns mit zwei Reportern der WAZ und der Ruhrnachrichten zusammen, die uns über unsere Eindrücke vom Konzert befragten (die Zeitungsartikel findet Ihr im Bereich "Presse"). Danach durften wir unsere Anlage auch schon wieder abbauen. Mit Hilfe der beiden Helfer verfrachteten wir alles wieder ins Erdgeschoss und in die Autos. Und so ging es über den Hof wieder zur Schleuse, in der wir unsere Ausweise und Telefone ausgehändigt bekamen. Das zweite Tor öffnete sich und wenige Meter später war unser Ausflug in die JVA Bochum Geschichte.

Nach einer sicheren Rückfahrt luden verstauten wir unsere Anlage und die Instrumente wieder im Proberaum. Auf dem Hof erhielten wir dann noch ein tolles Angebot. Ein junger Herr wollte uns sein eigenes(!!!!) nagelneues mit allen Schikanen ausgestattetes Mountainbike verkaufen. Dafür wollte er auch nur 60 Euro haben. Er wäre sogar noch auf 40 Euro heruntergegangen. Irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, dass dieser sympathische Junge Mann bei unserem nächsten Konzert in einer JVA im Publikum sitzen könnte..... Wir bedanken uns bei Tommy für seine gewohnt gute Arbeit, beim Verein "Kultur hinter Mauern" für die Vermittlung des Konzertes, bei Herrn Fregonese und dem Team der JVA Bochum für die gute Betreuung (besonders auch bei unseren beiden Helfern!) und bei unserem Publikum für die gute Stimmung.


 

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